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<title>Vegetationskomplex</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Vegetationskomplex</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p>Ein <b>Vegetationskomplex</b> (Sigmetum, Sigmagesellschaft) ist ein bestimmter Ausschnitt einer Landschaft, der durch eine spezifische, wiederkehrende und damit typische Kombination von <a href="Pflanzengesellschaft" title="Pflanzengesellschaft">Pflanzengesellschaften</a> gekennzeichnet ist. Die wissenschaftliche Beschreibung der Vegetationsausstattung von Vegetationskomplexen wird von der <a href="Pflanzensoziologie#Sigmasoziologie" title="Pflanzensoziologie">Sigmasoziologie</a> geleistet, einer Subdisziplin der <a href="Pflanzensoziologie" title="Pflanzensoziologie">Pflanzensoziologie</a>.
</p><p>Ähnlich wie eine Pflanzengesellschaft, die Standortsbedingungen an einer bestimmten Fläche anzeigt, spiegelt ein Vegetationskomplex die Kombination der ökologischen Bedingungen an einem mehr oder weniger großflächigen Standortmosaik wider. Bestimmende „Faktoren“ sind dabei Relief, Bodentypen oder Einflüsse des nutzenden Menschen wie Mahd oder (mit Hilfe von Tieren) Beweidung.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Methode">Methode</h2></div>
<p>Vielfach kann man in einer bestimmten Landschaft immer wieder dieselben Kombinationen verschiedener Pflanzengesellschaften finden, die als Vegetationskomplex beschrieben werden können. Diese Pflanzengesellschaften eines Gebietes können analog der pflanzensoziologischen Methode kartiert werden. Bei der Beschreibung von Vegetationskomplexen werden neben der „Vergesellschaftung von Pflanzengesellschaften“ vielfach auch Einzelelemente wie Steinriegel, Weidbäume, auch Hütten oder Nutzungstypen wie Rebanlagen mit Pfählen, einbezogen. Auf einer noch höheren Ebene können Vegetationskomplexe zu Geokomplexen (Geosigmeten) zusammengefasst werden. Eine Vergesellschaftung von Pflanzengesellschaften wird als Sigmetum bezeichnet.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Frühere_Ansätze"><span id="Fr.C3.BChere_Ans.C3.A4tze"></span>Frühere Ansätze</h2></div>
<p>Bereits <a href="Robert_Gradmann" title="Robert Gradmann">Robert Gradmann</a> hat auf der <a href="Schw%C3%A4bische_Alb" title="Schwäbische Alb">Schwäbischen Alb</a> solche regelmäßig wiederkehrenden Vegetationsmuster erkannt, die er als <i><a href="Steppenheide" title="Steppenheide">Steppenheide</a></i> bezeichnete. Auch russische und skandinavische Vegetationskundler wie <a href="Tichon_Alexandrowitsch_Rabotnow" title="Tichon Alexandrowitsch Rabotnow">Tichon Alexandrowitsch Rabotnow</a>, <a href="Aimo_Kaarlo_Cajander" title="Aimo Kaarlo Cajander">Aimo Kaarlo Cajander</a>, Hugo Osvald oder <a href="Gustaf_Einar_Du_Rietz" title="Gustaf Einar Du Rietz">Gustaf Einar Du Rietz</a> haben darauf hingewiesen, dass sich Vegetationsstrukturen und -gesellschaften in höhere Einheiten zusammenfassen lassen.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Der Begründer der Sigmasoziologie, die eine systematische Bearbeitung von Vegetationskomplexen zum Ziel hatte, war <a href="Reinhold_T%C3%BCxen" title="Reinhold Tüxen">Reinhold Tüxen</a> der auch den Vorschlag formulierte, die Einheiten der Vegetationskomplexe (Sigmasyntaxa) ähnlich wie die Pflanzengesellschaften zu hierarchisieren.
</p><p>Wesentliche praktische und theoretische Beiträge zur Erforschung von Vegetationskomplexen haben <a href="Angelika_Schwabe-Kratochwil" title="Angelika Schwabe-Kratochwil">Angelika Schwabe-Kratochwil</a> und <a href="Hartmut_Dierschke" title="Hartmut Dierschke">Hartmut Dierschke</a> geleistet.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Beispiele">Beispiele</h2></div>
<p>Vegetationskomplexe können z. B. eine <a href="Alm_(Bergweide)" title="Alm (Bergweide)">Alm</a> umfassen oder die Bergwälder einer Talflanke. Ein vielgenanntes Beispiel ist die typische Abfolge verschiedener Pflanzengesellschaften an einem Seeufer. Je nach Wassertiefe bzw. Feuchtegrad des Bodens bilden sich dort verschiedene pflanzensoziologisch definierte Gesellschaften aus, die miteinander als Komplex beschrieben werden können. Dabei weisen die jeweiligen trophischen Stillgewassertypen eigene definierte Vegetationskomplexe auf.
</p><p>Weitere Beispiele sind Vegetationskomplexe, die durch die typische Kombination distinkter Pflanzengesellschaften von <a href="Moor" title="Moor">Mooren</a> beschrieben werden können oder Fluss- und bachbegleitende Pflanzengesellschaften und deren Vegetationskomplexe in Mittelgebirgen.
</p><p>Vegetationskomplexe können aber auch kleinräumiger erfasst werden z. B. an Wegen und im städtischen Kontext.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Grundlegende_Varianten">Grundlegende Varianten</h2></div>
<p>Es gibt nach <a href="Hartmut_Dierschke" title="Hartmut Dierschke">Hartmut Dierschke</a><sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> zwei grundlegende Ansätze:
</p><p><i>Systematisierender Ansatz</i> In ökologisch homogenen Landschaftsteilen werden zunächst die vorhandenen Pflanzengesellschaften aufgenommen. Danach werden Ähnlichkeiten in der Kombination von Pflanzengesellschaften verglichen und, soweit diese gegeben sind, zusammenfassenden herausgearbeitet und induktiv ein System aufgebaut (=Sigma-Syntaxonomie). Grundeinheit: das Sigmetum (Sigma-Assoziation, z. B. Stellario-Alneto-Sigmetum). Die jeweils höheren Einheiten werden entsprechend dem Braun-Blanquet-System als Sigmion (Sigma-Verband), Sigmetalia (Sigma-Ordnung) und Sigmetea (Sigma-Klasse) bezeichnet.
</p><p>Der systematisierende Ansatz ist nur für sogenannte <i>seriale</i> Vegetationskomplexe (mit homogener Aufnahmefläche) geeignet. Bei serialen Komplexen sind die Elemente den gleichen Boden- und Klimafaktoren unterworfen und sind Glieder derselben Sukzessionslinie, z. B. Wald, Waldmantel, Staudensaum und angrenzende Wiese.
</p><p>Beim <i>Naturräumlichen Ansatz</i> werden die Vegetationskomplexe zunächst als Grundlage für eine naturräumliche Gliederung (Geo-Synsoziologie) erfasst und kartiert. Dabei geht die Aufnahme der Pflanzengesellschaften von bestimmten Raumeinheiten oder vorgegebenen Flächenrastern aus. Als Ergebnis werden auch hier zusammenfassende Komplex-Typen aufgenommen, die dann zu größeren Komplexen, den sogenannten Geosigmeten zusammengefasst werden.
</p><p>Dieser Ansatz kann bei <i>serialen und catenalen</i> Vegetationskomplexen angewendet werden, wobei unter einer <i>Catena</i> ein Vegetationskomplex mit unterschiedlichem Vegetationspotential bezeichnet wird. Typisches Beispiel ist die Boden- und Vegetationszonierung um eine Insel in einem Fluss mit stark schwankendem Wasserspiegel und zusätzlich unterschiedlich starken Abflussmengen. <a href="Max_Moor_(Botaniker)" title="Max Moor (Botaniker)">Max Moor</a> hat hierzu eine Kiesinsel in der <a href="Rhone" title="Rhone">Rhone</a> im <a href="Kanton_Wallis" title="Kanton Wallis">Kanton Wallis</a> beschrieben, bei der sich unter verschiedene Standortsbedingungen mit den jeweils zugehörenden Pflanzengesellschaften ausbilden.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Es sind dies:
</p>
<ul><li><i>vegetationslose Kiesfläche</i> in der häufig überfluteten unteren Böschung</li>
<li><i>Schwemmboden-Weidenröschenflur</i> auf Kies und Sand auf nächsthöherem Niveau</li>
<li><i>Lavendelweiden-Gesellschaft</i> auf Sand</li>
<li>darüber der eher selten überfluteten Rücken mit <i>Grauerlenwald</i> auf Sand</li>
<li>und zuletzt eine <i>Weiden-Tamariskenflur</i> auf Schluff.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Anwendungsbeispiele">Anwendungsbeispiele</h2></div>
<p>In der Praxis ist die Beschreibung von Landschaftsausschnitten mit Hilfe von Vegetationskomplexen in vielerlei Hinsicht hilfreich.
</p>
<ul><li>Es können großräumige Gliederung von Wuchsklimaten oder von Kultur- und Naturlandschaften vorgenommen werden.</li>
<li>Mit Hilfe von Vegetationskomplexen können Habitatmuster, die von bestimmten Tierarten (z. B. Vögeln) genutzt werden, ausgedrückt werden.</li>
<li>Bei der Erfassung und dem Vergleich im Rahmen von Umweltverträglichkeitsprüfungen können Vegetationskomplexe hervorragende Dienste leisten</li>
<li>Vegetationskomplexe eignen sich in manchen Fällen zur Ermittlung der Biodiversität in einem Landschaftsausschnitt.</li>
<li>Die Intensität anthropogenen Einflusses in einer Landschaft kann mit Hilfe von Vegetationskomplexen erfasst und ermittelt werden.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Frey, Wolfgang und Rainer Lösch: <i>Lehrbuch der Geobotanik. Pflanze und Vegetation in Raum und Zeit</i>. 2. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, München 2004, ISBN 978-3-8274-1193-8</li>
<li>Dierschke, Hartmut: Pflanzensoziologie. Grundlagen und Methoden. 683 S. Ulmer, Stuttgart. 1994</li>
<li>Hard, Gerhard: Die spontane Vegetation von Wohn- und Gewerbequartieren in Osnabrück. In: Osnabrücker naturwissenschaftliche Mitteilungen; Bd. 9, S. 151–203, 1982 & Bd. 10, S. 97–142, 1983.</li>
<li>Hard, Gerhard: Vegetationskomplexe und Quartierstypen in einigen nordwestdeutschen Städten. In: Landschaft und Stadt; 18(1); S. 11–25.</li>
<li>Kienast, Dieter: Die spontane Vegetation der Stadt Kassel in Abhängigkeit von bau- und stadtstrukturellen Quartierstypen. Urbs et Regio 10; Kassel 1978: 411 S.</li>
<li>Kratochwil, Anselm und Angelika Schwabe: Ökologie der Lebensgemeinschaften : Biozönologie ; 756 S. - Stuttgart, Ulmer, 2001.</li>
<li>Moor, Max: <i>Pflanzengesellschaften schweizerischer Flußauen.</i> – Mitt. Schweiz. Anst. forstl. Versuchswes. 34, 221–360. Beer, Zürich. 1958.</li>
<li>Wilmann, Otti: <i>Ökologische Pflanzensoziologie: eine Einführung in die Vegetation Mitteleuropas</i>. 6., neu bearb. Aufl., Quelle & Meyer, Wiesbaden 1998 (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://freidok.uni-freiburg.de/data/3750">Volltext</a>)</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Kratochwil u. Schwabe 2001:81</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Kienast 1978; Hard 1986.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Dierschke 1994</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Moor 1994</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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